Fagott

Das Fagott ist in seiner modernen Bauart ein Holzblasinstrument aus Bergahorn mit 5 Tonlöchern und 26 Klappen. Die Tonerzeugung geschieht wie bei der Oboe durch ein doppeltes Rohrblatt, das auf den sogenannten Es-Bogen gesteckt wird. Es ist aus spanischem Schilf (lat. arundo donax) gefertigt. Die Fagottisten beziehen ihr Rohrholz zumeist aus Südfrankreich und fabrizieren ihre Rohre mit Hilfe verschiedener Hobelmaschinen und einer Reihe von Spezialwerkzeugen selbst. Die Erfindung des Fagottes liegt etwas im Dunkel der Instrumentengeschichte. Fest steht, dass es ab Mitte des 16. Jahrhunderts Vorläufer des heutigen Fagottes gab. Es waren die zweiklappigen, noch aus einem Stück gearbeiteten Dulziane, die aber bereits die beiden Parallelröhren aufwiesen, mit deren Hilfe die Luftsäule von 240 cm auf ein handliches Mass gebracht werden konnte.

Etwa hundert Jahre später gab es dann das aus vier Einzelteilen bestehende Fagott mit zunächst 4 Klappen. Wir reden heute vom Barockfagott und etliche Holzblasinstrumentenmacher stellen Kopien dieser barocken Fagotte her, die im Sinne historischer Aufführungspraxis zunehmend Verwendung finden. Dieses Fagott wird im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts mit weiteren Klappen versehen und akustischen Veränderungen unterworfen. Es zeigte sich nämlich, dass dieses klassische Fagott zwar hervorragend für Bassfunktionen, etwa im Verband mit Violoncello, Kontrabass und Orgel geeignet war, dass aber vor allem seine Höhenlage für solistische Aufgaben - die die Komponisten nun zunehmend verlangten - zu leise und zu gedeckt war. Es waren dann Johann Adam Heckel und Carl Almenräder, die im 19. Jahrhundert das moderne "deutsche" oder "Heckel-Fagott" entwickelten. Es gleicht im wesentlichen dem heutigen Fagott mit seinem grossen Ton und seiner ausgeglichenen Intonation. Es hat sich weltweit durchgesetzt, allein in Frankreich hat sich ein moderner Nachfahre des Vor-Heckelschen Fagottes gehalten: das basson ist aus Palisander, hat eine völlig andere Griffweise und klingt gedeckter und weniger kernig. Während es bis nach dem 2. Weltkrieg noch in England, Italien, Nord- und Südamerika geblasen wurde, wurde es zunehmend vom Heckel-System verdrängt und verschwidet derzeit sogar aus einigen französischen Orchestern.